Eine Frau auf dem Bau steht ihren Mann

Von Tatjana Quirin

Schon in jungen Jahren hat mich die Baubranche fasziniert, weshalb ich eine Ausbildung zur Bauzeichnerin absolvierte und mir danach bei mehreren Praktika im Hoch- und Tiefbau einen Einblick in verschiedene Berufsfelder rund um den Bau verschaffte. Als zierliche junge Frau mit einer Größe 1,56 Meter wurde mir jedoch klar, dass ein Handwerksberuf, in dem reine Muskelkraft noch etwas zählt, für mich nicht in Frage kommt. Deshalb entschied ich mich für ein Architekturstudium. Schon im Praxissemester hatte ich die die Möglichkeit, Projekte selbstständig zu bearbeiten und auch in die Bauleitung einzusteigen.

Jeden Tag mit Herz und Seele dabei

Seitdem bin ich nun über zwölf Jahre in einer immer noch männerdominierten Branche jeden Tag mit Herz und Seele dabei. Als Frau am Bau wird man am Anfang einer Baumaßnahme öfter mal belächelt und unterschätzt. Das gibt mir dann immer den Ansporn zu beweisen, dass ich ein genauso großes Durchsetzungsvermögen und die gleiche Fachkompetenz habe wie meine männlichen Kollegen. Der Umgangston ist bekanntermaßen eher ruppig, und Machosprüche sind auch keine Seltenheit. Das hat mich gelehrt einzustecken, aber auch auszuteilen.

Das Wesentliche in diesem Beruf ist und bleibt der reibungslose Bauablauf: das Budget und die Termine im Blick zu behalten, alle am Bau beteiligten Unternehmen und Handwerker zu koordinieren und kontrollieren, um durch dem Bauherrn eine kostentreue und termingerechte Fertigstellung zu gewährleisten. Egal ob Frau oder Mann: Am Ende zählt immer das Ergebnis.

Jede Baumaßnahme bringt andere Herausforderungen mit sich

Mit meinem Einstieg als Projekt- und Bauleiterin bei der VAMED-Betriebstechnik Süd-West in der Abteilung Planung und Bauleitung Süd im Februar 2021 ist mein Arbeits- und Aufgabenbereich noch komplexer und spannender geworden, weil jede Baumaßnahme in den Kliniken andere Herausforderungen mit sich bringt. Durch die fachspezifischen Örtlichkeiten und Gerätschaften ist immer eine enge Abstimmung mit der Betriebstechnik, Medizintechnik, den Nutzern und vielen anderen am Bau Beteiligten erforderlich, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und auch umzusetzen. Nur so kann ein reibungsloser betrieblicher Ablauf gewährleistet und ein angenehmes, arbeitsfreundliches Raumklima für die späteren Nutzer und Patienten geschaffen werden.

Aber wie sollte es hier auch anders sein: Auf der Baustelle bin ich immer noch eine große Ausnahme als Frau. Da sind noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Doch das Baugewerbe wird sich der Tatsache, dass Frauen eine große Bereicherung für die Branche sind, immer stärker bewusst. Die Vorzeichen stehen gut, dass die Kollegin auf der Baustelle in Zukunft keine Ausnahme mehr, sondern die Regel sein wird.

Die Architektin Tatjana Quirin arbeitet als Projektleiterin am VAMED-Standort Saarlouis.

Tatjana Quirin im Gespräch mit ihrem Kollegen Sebastian Keim.

 

"Die Vorzeichen stehen gut, dass die Kollegin auf der Baustelle in Zukunft keine Ausnahme mehr, sondern die Regel sein wird."

 

"Egal ob Frau oder Mann: Am Ende zählt immer das Ergebnis."